20.06.2017.-  In Kaufbeuren investiert die DFS 18 Millionen Euro in ein neues Schulungszentrum und Unterkünfte für militärisches Flugsicherungspersonal. Der neue Ausbildungscampus soll schneller in Betrieb sein als ursprünglich geplant.

So ein erster Spatenstich ist ja meist keine große Herausforderung: Man schaufelt ein paar Schippen voll Sand und darf aufhören, bevor es richtig anstrengend wird – eine leichte Übung auch für den, der seine Tage eher im Büro als auf der Baustelle verbringt. Anders beim ersten Spatenstich für den neuen Ausbildungscampus, den die DFS in Nähe des Fliegerhorstes in Kaufbeuren errichtet: Hier war von allen Beteiligten körperliche Höchstleistung gefragt. Denn auf der Freifläche, auf dem von Herbst an das neue Schulungsgebäude der Kaufbeuren ATM Training GmbH für rund 80 Lehrgangsteilnehmer gebaut werden soll, gab es am Montag keinen noch so kleinen Schattenplatz.

DFS-Chef Prof. Klaus-Dieter Scheurle, Dr. Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten, Franz Josef Pschierer, Staatssekretär der bayerischen Landesregierung für Wirtschaft, Medien, Energie und Technologie, Bernhard Pohl, Mitglied des bayerischen Landtags der Fraktion der Freien Wähler, Oberbürgermeister Stefan Bosse und Joachim Keck, Geschäftsführer der Kaufbeuren ATM Training GmbH, mussten ihre Arbeit bei Temperaturen von 30 Grad in der prallen Sonne verrichten, die von einem weißblauen Himmel auf Kaufbeuren hinabstrahlte – und das in Anzug und mit Krawatte.

 

In seiner Rede wies Prof. Scheurle auf die Investitionen der DFS hin. Insgesamt 18 Millionen Euro gibt die DFS für den Kauf des Grundstückes, die Sanierung von zwei Unterkunftsgebäuden und den Neubau des Schulungszentrums aus. „Es ist eine Investition in die Qualität der militärischen Flugsicherungsausbildung am Standort. Sie hat eine 60-jährige Tradition, und wir sind stolz darauf, dass wir diese Tradition fortsetzen dürfen“, sagte Prof. Scheurle. Ursprünglich sei geplant gewesen, den neuen Ausbildungscampus 2020 in Betrieb zu nehmen. Dank der Unterstützung der Bundeswehr, die während der Bauzeit Unterkünfte und Verpflegungsmöglichkeiten bereitstelle, könnten die Unterkünfte nun auf einen Schlag saniert werden. Deshalb strebt die DFS nun eine Eröffnung bereits Ende 2019 an. „Ich freue mich, sie alle in gut zwei Jahren zur Eröffnung wieder begrüßen zu dürfen.“

Zusätzlich hat die DFS bereits rund eine Million Euro in die Erneuerung der Simulatortechnik investiert. So wurden nicht nur die bisher genutzten analogen Geräte durch moderne, digitale Simulatoren ersetzt sowie die Software erneuert: Außerdem installierte die DFS einen neuen Towersimulator, ein hochmodernes Rückprojektionssystem mit 16 Laserbeamern und einer Auflösung von mehr als 36 Millionen Pixel. Der neue Ausbildungscampus sei ein „Ort der kurzen Wege“, sagte Prof. Scheurle. Dabei setze die DFS auf modernste Technik: Jeder Teilnehmer erhält einen leistungsfähigen Tablet-Computer, auf dem er sich die Ausbildungsinhalte herunterladen kann. Zukünftig ist sogar geplant, die Tablets mit einer sprachgesteuerten Simulationssoftware zu versehen. „Damit hat jeder Teilnehmer seinen eigenen Towersimulator immer dabei. Das ist das Lernen der Zukunft, wie wir es uns bei der DFS vorstellen.“

 

Grund für den Neubau des Ausbildungscampus ist, dass die Bundeswehr den Standort Kaufbeuren 2022 schließen will – eine Ausbildung in den bisherigen Räumlichkeiten der Kaufbeuren ATM Training GmbH ist damit nicht mehr möglich. Die DFS hat deshalb ein rund 13.400 Quadratmeter großes Grundstück mit insgesamt vier Unterkunftsgebäuden von der Bundeswehr gekauft. Zwei der Gebäude werden umfangreich modernisiert, zwei sind bereits abgerissen. An ihrer Stelle entsteht das neue Schulungszentrum. Auf drei Etagen und einer Fläche von rund 2.400 Quadratmetern finden sich Simulatorräume, Schulungsräume, Büroräume sowie eine Mensa für bis zu 100 Besucher. Auch der neue Towersimulator wird in das neue Schulungszentrum umziehen.

Oberbürgermeister Stefan Bosse machte keinen Hehl daraus, dass er mehr als glücklich darüber ist, dass zumindest die Flugsicherungsausbildung seiner Stadt erhalten bleibt. „Wir sind sehr stolz auf diese Entscheidung. Eine Idee, die über Jahre hinweg entstanden ist, wird nun in Beton gegossen“, sagte er in seiner Ansprache. Mit dem Ausbildungscampus, so zitierte Bosse den DFS-CEO, entstehe in Kaufbeuren ein „europäisches Kompetenzzentrum für Flugsicherung.“ Dieses seit nicht nur für die Bundeswehr, sondern für alle befreundeten Streitkräfte interessant. Er hoffe deshalb auf „eine Resonanz über unser Land hinaus“, so Bosse.